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Hartes Pflaster

25 Février 2016 , Rédigé par Madeleine Staeheli Toualbia Publié dans #articles (presse)

Hartes Pflaster

Sandoz will mit Discount-Generika von 1A Pharma medizinisch den lukrativen schwarzafrikanischen Markt erobern. Bei Cinpharm in Kamerun ist der Einstieg jedoch bisher nicht gelungen.

Madeleine Stäheli Toualbia

ln Afrika herrscht Nachholbedarf an medizinischer Versorgung, die bezahlbar ist. Darin sind sich Gesundheits- und Entwicklungsorganisationen einig. Der verbesserte Zugang zu günstigen Medikamenten hat eine ökonomische Seite, in der Pharmaunternehmen agieren. Novartis-Tochter Sandoz, die in Europa führend und weltweit die Nummer zwei nach dem israelischen Unternehmen Teva in der Herstellung von günstigen Nachahmer-Medikamenten ist, will nun mit den Discount-Arzneimitteln ihres deutschen Unternehmens 1A Pharma GmbH Schwarzafrika erobern. 1A Pharma ist eine Tochter des zu Sandoz gehörenden deutschen Unternehmens Hexal. Die Unternehmenssparte Retail Generics mit 1A Pharma steigerte letztes Jahr den Umsatz um 2 Prozent währungsbereinigt auf 7,3 Mia. Franken, real war das Wachstum negativ. Im Vorjahr waren die Umsätze der Sparte um 14 Prozent gestiegen, am meisten in sich entwickelnden Märkten in Asien, auf insgesamt 7,7 Mia. Franken. Sandoz erzielte 2015 insgesamt und währungsbereinigt ein Umsatzplus von 7 Prozent. In Afrika und im Mittleren Osten erhöhten sich die Umsätze währungsbereinigt um 13 Prozent, bei einem Wachstum in Westeuropa von 3 Prozentpunkten. Das Markforschungsunternehmen IMS Health geht bis 2018 von einer 50%-Wachstumsrate weltweit für Generika, günstigere Kopien von Markenmedikamenten, in Afrika aus. Generika sind im medizinischen Markt weltweit die Haupt-Wachstumstreiber. In der Region südlich der Sahara ist bereits das indische Pharma-Unternehmen Cipla mit Generika stark. Cipla mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 1,75 Mia. Franken produziert unter indischem Recht legal Generika, bevor der Patentschutz der Markenmedikamente ausgelaufen ist, und exportiert sie in afrikanische Länder. Da nicht in allen afrikanischen Ländern auf allen Markenmedikamenten Patentschutz besteht, ist auch dort die Einfuhr und Produktion von Generika legal, gemäss TRIPS-Vereinbarung der WTO zum Schutz von geistigem Eigentum. Novartis führte mehrere gerichtliche Auseinandersetzungen gegen Cipla.

Einstiegskooperationen

Nun will sich Novartis-Tochter Sandoz als Konkurrentin in Afrika selbst Marktanteile sichern, die letztes Jahr 18 Prozent des Novartis-Nettoumsatzes von umgerechnet 50,1 Mia. Franken erzielte. Seit Sandoz 2011 in Senegal ein Büro für den westafrikanischen Markt eröffnete, ist das Unternehmen mit Sitz im bayrischen Holzkirchen Kooperationen mit Entwicklungsorganisationen und lokalen Unternehmen eingegangen. Sandoz setze sich dafür ein, den nachhaltigen Zugang zu qualitativ hochwertigen Medikamenten für Patienten in Afrika zu verbessern, erklärt Nick Haggar, Leiter der Geschäftssparte Westeuropa, Mittlerer Osten und Afrika bei Sandoz. „Als das führende Generikaunternehmen Europas und eines der grössten Unternehmen für Medikamente in der Welt sind wir sehr gut positioniert, dies zu tun.“ Dabei bleibt es nicht bei der Distribution von Generika. 2012 ging Sandoz in Kamerun mit 1A Pharma eine Kooperation mit dem lokalen Generika-Produktionsunternehmen Cinpharm S.A. ein. Zurzeit ist Cinpharm geschlossen. CEO Célestin Tawamba gab zur Refinanzierung neue Aktien in der Höhe von 1,98 Mia. Franken aus, um die durch misslungene Kooperationen entstandenen Schulden zu tilgen. Die tunesische Teriak, die für Novartis produziert, wurde letztes Jahr Mehrheitsaktionärin. Ein Mitarbeiter erklärt auf Anfrage, die Produktion und die Zusammenarbeit mit Sandoz würden 2016 wieder aufgenommen. Sandoz gibt sich zurückhaltend. „Nicht alle Kooperationen erbringen die gewünschten Resultate. Ein Beispiel ist Cinpharm, bei dem Schwierigkeiten auftraten“, teilt Nick Haggar mit. „Wir haben unsere eigenen Standorte in Kamerun eröffnet.“ Cinpharm stellte Generika-Medikamente her mit dem Ziel, sie auch in andere Länder Schwarzafrikas zu exportieren. Die Gründe für die Schwierigkeiten nennt Nick Haggar nicht. Cinpharm hat laut Angaben auf der Internetseite im technologischen Transfer und in der Ausbildung mit Cipla zusammengearbeitet. In Zambia baut Sandoz seit 2012 mit der zambischen Regierung und 1A Pharma in ländlichen Gebieten Health Shops auf, die der Bevölkerung den Zugang zu Medikamenten ermöglichen und eröffnete 2014 einen Standort. In Ghana kooperiert 1A Pharma seit 2013 mit der deutschen Generika-Tochter im Rahmen des Entwicklungsprojektes „Quality Assured Essential Medicines for Ghana“ des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem ghanaischen Unternehmen La Gray Chemical Company Ltd.. La Gray stellt pharmazeutische Produkte her. Das Projekt leitet die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ). „Das Volumen der Entwicklungspartnerschaft umfasst 650 000 Euro, davon sind 200 000 Euro der öffentliche Beitrag der GIZ“, erklärt Sprecherin Lena Hollender. Die Kooperation umfasst nach Angaben der Sprecherin beispielsweise Trainings, um Mitarbeitende für die pharmazeutische Arbeit zu qualifizieren. La Gray werde auch darin unterstützt, sich für die Vorqualifizierung von Arzneimitteln durch die Welt-Gesundheitsorganisation WHO vorzubereiten. Die Überprüfung führte laut Lena Hollender 1A Pharma durch. Das erklärte Ziel des Unternehmens mit bereits seit mehreren Jahren bestehenden Produktionsstätten in Algerien , Ägypten und Südafrika ist es, in Schwarzafrika vor allem mit anti-infektiven Generika, Tuberkulose-Behandlungen, Mutter-Kind-Gesundheitsprodukten und Generika gegen nicht übertragbare Krankheiten zu wachsen. 1A Pharma vertreibt auch HIV-Medikamente. Ab 2016 wird die Generika-Herstellung von weiteren HIV-Medikamenten möglich, da der Patentschutz ausläuft, wie die mit der WHO zusammenarbeitende Aids-Informationsplattform Aidsmap mitteilt. „Wir sind weiterhin an Partnerschaften mit Herstellern und Vertriebspartnern in ganz Afrika interessiert und sind bereit, bei Bedarf unser technisches Know-how zu teilen“, erklärt Nick Haggar.

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